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Zahlen, Daten, Fakten II

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Der Chancenspiegel 2017 – eine gemeinsame Initiative der Bertelsmann Stiftung, der Technische Universität Dortmund und der Friedrich-Schiller-Universität Jena – vergleicht und berichtet sehr ausführlich die Entwicklung der Bildungssysteme in den einzelnen Bundesländern (www.chancen-spiegel.de). Er ist ein ergänzendes Instrument der Bildungsberichterstattung, das Leistungsfähigkeit und Chancengerechtigkeit eines Bildungssystems erfass- und vergleichbar macht. In den vier Dimensionen Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe wertet er amtlichen Statistiken und empirischen Leistungsvergleichstudien aus.

Das Projekt wurde 2017 mit dem letzten vorgelegten Bericht beendet. Ohne Zweifel ist es das Verdienst dieses Kooperationsprojektes, dass es das eigentlich abstrakte Konzept der Chancengerechtigkeit konkretisieren, messbar und zwischen den Bundesländern vergleichbar machen konnte.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass alle Entwicklungen im Bildungsbereich auf zwei grundsätzliche politische Entscheidungen zurückzuführen sind: Seit 2002, angestoßen vom Investitionsprogramm der damaligen Bundesregierung, ist in Deutschland die Ganztagsschule ausgebaut worden. 2009 hat sich Deutschland außerdem in der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Handicap zu fördern.

Alle Schulsysteme sind seit der ersten Pisa-Studie 2000 insgesamt leistungsstärker und chancengerechter geworden – das aber auf unterschiedlichem Niveau und mit unterschiedlichen Schwachstellen. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind sehr groß und häufig gewachsen – hier können zukünftig nur von der Kultusministerkonferenz gemeinsam erarbeitete Standards für eine Angleichung sorgen.

Trotz generell positiver Entwicklungen betont Prof. Nils Berkemeyer von der Universität Jena: „Nicht hinzunehmen ist, dass beim Kompetenzerwerb in der neunten Klasse ein Unterschied von mehr als drei Lernjahren zwischen Sachsen und Bremen besteht.“ Der Bericht formuliert deshalb ein eindeutiges Ziel zukunftsorientierter Bildungspolitik: Im Interesse der Jugendlichen und der Gesellschaft muss ein öffentliches Schulsystem ein Mindestmaß an Fähigkeiten vermitteln und für vergleichbare Chancen sorgen.

Dr. Jörg Dräger von der Bertelsmann-Stiftung eröffnet eine spannende zeitliche Dimension zukünftiger Reformen. Setzen die Bundesländer Reformen in derselben Geschwindigkeit wie in der Vergangenheit um, gehen mindestens 30 Jahre ins Land, bis alle Kinder in Deutschland eine Ganztagsschule besuchen können. Sein Urteil ist ganz eindeutig: „Bessere Chancen für alle Schüler gibt es nur, wenn Bund und Länder mehr in die Schulsysteme investieren und gemeinsame Qualitätsstandards für ganztägige und inklusive Schulen vereinbaren. Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz, damit der Reformeifer nicht abbricht.“

Die Zitate sind der Pressemitteilung zur Veröffentlichung des Berichtes 2017 entnommen – zur Seite hier.

 

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