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Entlasterkräfte in Kitas trotz Notlage nicht verlängert … (Gast)

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Ich bin seit Mai letzten Jahres als sog. Entlasterkraft in einem Kindergarten in Bremen angestellt. Ich mache mit den Kindern Kinderyoga, was den Kindern und mir sehr viel Freude bereitet. Wir fliegen nach Afrika, gehen in den Wald, ans Meer, sind Piraten und Indianer, suchen den Osterhasen. Das erlernen einfacher Yogapositionen, Spiel, Bewegungsförderung, Fokussierung und Entspannung, all das vereint das Kinder-Yoga.

Von Berufs wegen bin ich Heilpädagogin und ausgebildete Yogalehrerin, und selbst Mutter von zwei Jungs im Kindergartenalter. Ich erlebe meine Arbeit mit den vielen Kindern, es sind 80 im Ü3-Bereich, als große Bereicherung, sowohl für mich als auch für die Kinder. Die Erzieherinnen und Erzieher sind engagiert für die Kinder da und geben ihr Bestes, die Kinder zu sehen und zu fördern.

Gleichzeitig kann ich beobachten, dass sie aufgrund der großen Anzahl an Kindern bzw. zu wenig Personal für die Anzahl der Kinder oft an ihre Grenzen stoßen und die Kinder sehr viele Freiräume erhalten. Für manche, insbesondere die älteren Kinder, mag dies eine gute Sache sein, andere benötigen definitiv mehr Aufmerksamkeit, Förderung und Schutz.

Vom ersten Tag an haben die Kinder mich angenommen und freuen sich, wenn ich da bin. Anfangs habe ich zu den einzelnen Kontakt aufgebaut und später nach und nach entwickelte sich das Yoga-Angebot, das ich nun mit drei bis vier Gruppen am Tag anbiete. Mittlerweile ist das Yoga-Angebot sehr beliebt bei den Kindern, sie lieben es einfach. Das OMMMMM zu Beginn und am Ende, die spielerischen Geschichten, die Entspannungsrunde am Ende. Die Frage: „Ch., wohin reisen wir heute? Was spielen wir heute?“ höre ich schon zur Begrüßung.

Insbesondere die schüchternen, zurückhaltenden Kinder profitieren von dem zusätzlichen Angebot. Ich versuche, ihr Körpergefühl zu fördern, ihr Selbstbewusstsein, ihre Möglichkeit, zu entspannen und sich gegenseitig wahrzunehmen im Raum. Sie stellen zu mir einen besonderen Kontakt her und berichten mir manchmal von Sorgen und natürlich auch erfreulichen aktuellen Anliegen, wofür sie vielleicht ansonsten in der Gruppe keine Ruhe hätten.

Wir haben dank der Möglichkeit, als Entlastungskraft tätig zu sein, mit dem Kinder-Yoga einen Raum geschaffen, in dem die Kindergartenkinder in die Eigenwahrnehmung kommen können, mit ganz viel Spaß, mit viel Herz, mit dem Ziel, dass auch in dem jungen Alter schon ein erster Kontakt hergestellt werden kann mit dem Bereich der „Selbstfürsorge“, dem Bereich Entspannung, Meditation und Reflektion. Es ist zu erwarten, dass viele der jetzigen Kindergartenkinder Zeiten erleben werden, die stressig sind, in der Schule, in der Familie, im Beruf. Auch im jungen Alter kennen die Kinder bereits das Wort „Stress“, manche berichten mir, dass sie selbst schon Stress haben weil sie jeden Tag etwas vor haben.

Wenn mein Einsatz als Entlasterkraft dazu beiträgt, schon einen ersten Kontakt mit der Möglichkeit der Stressreduktion durch Entspannung, durch Achtsamkeit, durch Yoga-Übungen herzustellen, dann freue ich mich sehr und finde, dass solch ein Angebot an Kindergärten und ganz wichtig!!! auch an Schulen regelhaft vorgehalten werden sollte.

Es ist toll, dass Kita Bremen bzw. die Bildungsbehörde den Einsatz der Entlasterkräfte ermöglicht hat. Schade ist aber, dass die Verträge ab dem 01.08.2019 nicht weiter verlängert werden können. Es musste außerdem bereits gegen Ende des Jahres hart darum gekämpft werden, dass unsere Verträge wenigstens noch weitere 7 Monate verlängert werden.

Hier wird tatsächlich einmal wieder mehr an den Kindern gespart, an Angeboten, die sie bereichern können und ihnen etwas Langfristiges mitgeben können. Auch wenn nicht alle Entlasterkräfte zusätzliche Angebote bereitgehalten haben, so sind sie doch eine große Bereicherung für die Kinder. Eine weitere liebe, vertraute, zusätzliche erwachsene Person, die für sie da ist in allen Freuden, bei Problemen und bei der Erforschung der Welt. Im Kindergarten meiner Jungs hat die Entlasterkraft persönlich viel beigetragen, indem er viel Musik mit den Kindern gemacht hat, mit ihnen kreativ aktiv war, mit ihnen viel „Quatsch“ gemacht hat.

Jede weitere zusätzliche engagierte Person mit Herz ist ein Zugewinn an Qualität im Kindergarten!!! Jede weniger ein Verlust.

Schade, Bremen.

Ch.

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1 KOMMENTAR

  1. Ich bin sprachlos! Mit welcher Begründung wird die Verlängerung dieser Maßnahme abgelehnt? Die Qualität soll ständig verbessert werden und darum werden Entlastungskräfte nicht weiterbeschäftigt?
    Interessant und üblich ist auch diese Hinhaltetaktik. Erst einmal werden für ein paar Monate Stunden bewilligt, dann muss man um eine Verlängerung betteln. Meistens gibt es die Zusage erst, wenn das neue Halbjahr schon begonnen hat, bestenfalls kurz vorher. Kann sich irgendeine Kita leisten, so mit Mitarbeitern umzugehen? Und dann wundern sich die Träger, wenn sie niemanden für die pädagogische Arbeit finden?!
    Das war schon so bei Einstellung von Berufspraktikanten so,( ist aber vor etwa einem Jahr geändert worden), weil z.B. KiTa Bremen plötzlich gemerkt hat, dass die Praktikanten sich auf Stellen anderer Träger bewerben, wenn die Zusagen erst ein, zwei Wchen vor Beginn des neuen Kitajahres verschickt werden.
    Ja, wirklich sehr, sehr schade!

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